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Herkunft und Vererbung des Mosaikfaktors
Über die Herkunft als auch über die Vererbung des Mosaikfaktors wird gerade in letzter Zeit sehr viel diskutiert, aber auch munter spekuliert.
Vorab sei festgestellt, daß es sehr bedauerlich ist, daß Sachverhalte falsch dargestellt werden und damit noch die eigene Theorie als die einzig wahre verbreitet wird. Unter diesen Aspekt sind z.B. die Berichte „Vogelfreund 2002 Heft 7, S. 6 – 8, Hans Classen“ und „Vererbung des Mosaikmerkmals bei Kanarien - Vogelfreund 2003 Heft 4, S.20-21, Hans Riegler/Gotha“ zu sehen.
Herkunft des Mosaikfaktors
Auch wenn den meisten unter uns klar ist – und dies gilt auch für das gesamte Ausland – das der Mosaikfaktor ein Erbe des Kapuzenzeisig ist, so muß man doch feststellen, daß von einigen wenigen Personen die Hypothese aufgestellt wird, der Mosaikfaktor sei ein Erbe des wilden Kanariengirlitzes.
Grundsätzlich sollte es aber zum guten Ton gehören, daß man eine eingesessene (vermeintliche) Hypothese nicht durch eine Neue ersetzt.
Wie sieht jedoch nun die unterschiedliche Fettfarbausdehnung zwischen den Intensitätstypen und dem Mosaikfaktor aus. Während die Ausdehnung bei Intensiv und Schimmel gut die Hälfte der Feder (inkl.Dunenbereich) ausmacht und die Ausdehnung lediglich durch Schimmelbelag von der Federspitze abgegrenzt werden kann, macht die Ausdehnung der Fettfarbe beim Mosaikvogel innerhalb der Areale nur ein drittel des oberen Federbereiches aus, wo sie im Idealfall (speziell Maske und Flügelbug) nicht von Schimmelbelag abgegrenzt wird. Ganz im Gegensatz dazu ist außerhalb der bekannten Mosaikareale die Fettfarbe aus dem sichtbaren Teil der Feder verdrängt, dies beim gewünschten Typ I. mehr als beim Typ II.
Nun müssen wir aber auch ganz klar festhalten, daß es auch bei Mosaikkanarien deutliche Unterschiede in der Qualität gibt. Nehmen wir zu dieser Erklärung die aufgehellten rot-mosaiken, da deren Kontrast zwischen fettfarbfreien Zonen(Kreide) und Mosaikarealen am deutlichsten zu sehen ist. Hier haben wir einmal Hähne die eine unvorstellbare intensive Fettfarbausprägung speziell in der Maske und in den Flügelbügen aufweisen und dies trotz dessen die Areale gut eingegrenzt sind und nicht auslaufen. Diese Hähne stehen sinngemäß für eine deutliche Ausbreitung der Fettfarbe innerhalb der Areale und eine ausgeprägte Abdrängung der Fettfarbe ausserhalb dieser Areale. Dann haben wir jene Hähne die zwar die Mosaikareale abgegrenzt und intensiv bringen, aber im gesamten übrigen Gefieder deutlich Fettfarbe durchschimmern lassen. Desweiteren haben wir Hähne mit deutlichem Schimmelbelag innerhalb der Maske und Flügelbüge bis hin zu Hähnen die eine geteilte Maske im Stirn oder Kehlbereich aufweisen. Aber selbst bei den letzt genannten Hähnen kann man meistens feststellen, daß sie trotz einer doch augenscheinlichen Abdrängung der Fettfarbe außerhalb der Mosaikareale Fettfarbe durchschimmern lassen.
Nun stellt sich die Frage wie kam und kommt es zu den erst genannten Hähnen und den nötigen Weibchen für diese Zuchtlinie. Zweifelsfrei haben diese extremen Qualitätssteigerungen beim Mosaikfaktor ihren Ursprung in Italien, wo nebenbei bemerkt auch die damals ersten Vögel des Typ II. her stammten. Namen wie Manfredini, Mellinato, Santi usw. stehen sinngemäß für genau diese Mosaiken. Es ist nun bekannt daß in Italien weiterhin Kapuzenzeisige und deren Mischlinge mit Mosaikkanarien in Mosaikzuchten verwendet wurden und zeitweise noch werden. So hatte beispielsweise auch Paul Pütz bei dem Züchterbesuch von Theo Hensen über solche Praktiken berichtet. Wie schon eingangs geschrieben, war es auch kein geringerer wie unser DKB-Präsident Klaus Weber der mir persönlich erzählte, daß bei einem OMJ-Treffen in Porrentruy/Schweiz die Teilnehmer den Züchter Michael Veya besuchten und er genau diese Kapuzenmischlinge dort sah. All dies läßt jedoch nur den Schluß zu, daß genau diese Praktiken zur extremen Qualitätsverbesserung der Mosaiken beitrugen und weiterhin beitragen.
Die Verdrängung der Fettfarbe aus dem Sichtbild ist kein Merkmal des wilden Kanariengirlitzes, da bei diesem im gesamten Federkleid eine gelbe Grundfarbe ausmachbar ist. Wohl ist dem Kanariengirlitz eigen, daß bestimmte Zonen intensiver in der Farbe erscheinen, dennoch erstreckt sich die gelbe Grundfarbe über die Hälfte der Feder. Beim Kapuzenzeisig jedoch, haben wir eine gänzliche Abdrängung der Fettfarbe außerhalb der Fettfarbzonen und innerhalb der Fettfarbzonen eine Konzentrierung der Fettfarbe im oberen Drittel der Feder.
Unbestritten dürfte sein, daß der Mosaikfaktor als Erbe des Kapuzenzeisigs beim Kanarienvogel eine veränderte Erscheinung hervorruft, daher Kanarien eigenes Erbgut zum Zuge kommt. Dies ist ansich nicht verwunderlich, so ist ja auch ein Ergebnis der Kapuzenzeisigeinkreuzung ein stärkeres Melanin, ohne das nun alle Nachkommen rein schwarze Federpartien wie der Kapuzenzeisighahn aufweisen. Dennoch bleibt das verstärkte Melanin trotz Beeinflussung durch Kanarienerbgut ein Erbe des Kapuzenzeisigs. Ebenso bleibt der Mosaikfaktor trotz Beeinflussung durch Kanarienerbgut ein Erbe des Kapuzenzeisigs. So ist es nicht verwunderlich, daß in italienischen Mosaikzuchten - und nicht nur dort – mit der weiteren Einkreuzung von Kapuzenzeisigen eine wesentliche Verbesserung in Bezug auf den Mosaikfaktor erreicht wird.
In diesem Bezug wurde einmal versucht, die Begebenheit der Verbesserung des Mosaikfaktors durch den Kapuzenzeisig mit dem Schlagwort des „Heterosiseffekt“ zu erklären. Es ist jedoch unklug, mit Begriffen zu jonglieren deren Bedeutung man nicht kennt. Heterosis beruht auf der Feststellung, daß die Fl zwischen zwei auf ein bestimmtes Merkmal selektierten Ausgangsformen(P-Generation) eine Steigerung des Merkmales zur Folge hat. So z.B. bei der Legeleistung von Legehuhnhybriden.
Dennoch verliert sich dieser Heterosiseffekt – welcher auf Heterozygotie(Mischerbigkeit) beruht in den Folgegenerationen, eine Begebenheit die den Begriff des „Blenders“ bei einem guten Resultat aus zwei optisch nicht viel versprechenden Elterntieren begründet.
Übertragen auf die Einkreuzung von Kapuzenzeisigen in die Mosaikzucht, hat daher der Heterosiseffekt in Bezug auf den Mosaikfaktor keinerlei Bewandnis. Vielmehr verdeutlicht die Einkreuzung, daß beide Ausgangsformen – auf der einen Seite der Mosaikvogel und auf der anderen der Kapuzenzeisig – Träger des Merkmals sein müssen.
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