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                   Keimfutter

 

 

Über die Verwendung von Keimfutter in der Ernährung von Vögel und hier speziell in der Aufzuchtphase wird viel diskutiert.  Ausgehend von einwandfreien hochkeimfähigen Saaten und der richtigen Zubereitung, muß man deutlich sagen, daß Keimfutter eine ideale Bereicherung der Ernährung darstellt.

Man muß sich jedoch – sollte man sich für die Verwendung von Keimfutter entscheiden – darüber im Klaren sein, daß die Utensilien zur Herstellung (Keimsieb, Keimautomat etc.) stets nach dem Gebrauch gereinigt werden müssen um eventuell anhaftende Keime zu entfernen. Desweiteren muß man nach dem eigentlichen Quellvorgang, in regelmäßigen Abständen die Saat ausspülen.  Wer dies nicht grantieren kann, sollte erst garnicht mit Keimfutter anfangen.

Es werden auf dem Markt auch diverse Mittel zur Behandlung des Keimfutters angeboten. Es sei jedoch jeden angeraten sich vorab unabhängig nach den angegebenen Inhaltsstoffen zu informieren. So enthält ein Mittel welches zur Behandlung des Trinkwassers und Keimfutters angepriessen wird, den Wirkstoff Chlorhexidine gluconate. Dieser antibiotische Wirkstoff ist jedoch im Humanbereich lediglich für den äußeren Gebrauch bestimmt(Mundspülungen, Wundbehandlung), wobei vor einer Einnahme ausdrücklich gewarnt wird. Zudem hat es einen geringen PH-Wert, was sich negativ auf die Keime auswirkt. Daher gehören auch Säuren(Apfelessig, Essigsäure, Salzsäure etc.) nicht ins Keimfutter. Selbst bei geringer Dosierung (Absenkung des PH-Wertes) wird man eine Braunfärbung der Keimspitzen feststellen.

Auch eine Verwendung von Produkten auf der Basis von Jod ist mit einer gewissen Skepsis zu sehen.  Das Produkt DEFENDER-S der Firma Chemi-Vit bietet hier eine sehr gute Alternative, zumal es positive Eigenschaften für die Darmflora beinhaltet.

Eine weitere Lösung wäre die Verwendung einer Propolislösung. Von einer 10%igen Lösung werden drei Tropfen dem Quellwasser für etwa 500g Keimfutter zugesetzt.

Beim Keimen steigt der Wassergehalt der Samen in Kürze von zehn auf 70 bis 80 Prozent an.  Aus diesem Grunde sollte man es mit der Gabe von Keimfutter nicht übertreiben, da sonst ein recht dünnflüssiger Kot die Folge sein kann.

Während die Samen auskeimen steigt der Gehalt der Nährstoffe stark an. Die Sprossen sind darum reicher an Mineralien, Vitaminen und anderen wertvollen sekundären Pflanzenstoffen(SPS Phytochemicalien) als später die ausgewachsene Pflanze. Dies gilt selbstverständlich im Vergleich der jeweiligen Trockensubstanz.

Die komplexen Kohlenhydrate werden zu leicht verdaulichem Doppelzucker umgewandelt. - der Keimling erhält seine typisch süßliche Geschmacksnote. Ebenfalls von Vorteil ist, dass durch den Keimvorgang der Phytinsäuregehalt sinkt. Denn Phytinsäure in Getreidekörnern oder Hülsenfrüchten vermindert die Aufnahme einiger lebenswichtiger Mineralstoffe aus Nahrungsmitteln.

Der Proteingehalt der gekeimten Saat steigt im Vergleich der jeweiligen Trockensubstanz um etwa 30% an.

Aus diesen Fakten lassen sich unweigerlich die eingangs erwähnten positiven Eigenschaften der Keimfutterverfütterung ableiten.

Im nachfolgenden wird die Herstellung des Keimfutters anhand von Negersaat demonstriert.

Wir benutzen hochkeimfähige Negersaat.

Dies hat meist ein mattes Aussehen, da sie im Gegensatz zur herkömmlich erhältlichen Negersaat nicht ölpoliert ist.

 

 

In einem geeigneten Behälter wässern wir die benötigte Menge Keimsaat mit lauwarmen Wasser und lassen sie so maximal 6 Stunden quellen.

Bei übermäßiger Wässerung kann es durch Ausschluß von Sauerstoff zu Gärungsprozessen kommen.

 

Nach der Quell- bzw. Einweichzeit schütten wir den Inhalt des Gefäßes in ein spezielles Keimsieb.

 

 

 

Und spülen es unter einem Wasserstrahl mit möglichst lauwarmen Wasser kräftig durch.

 

 


 

Danach lassen wir das überschüssige Wasser abtropfen und stellen das Keimsieb bei mindestens Zimmertemperatur auf eine Unterlage, aber so daß von unten ebenfalls Luftzufuhr besteht (z.B. Gitter).

Von oben decken wir das Sieb zu 2/3 ab.

 

Etwa nach 10-12 Stunden spülen wir das Keimfutter nochmals kräftig durch und lassen es wieder abtropfen.

 

 

 

Nach dem eigentlichen Quellvorgang zeigen sich nach etwa 24-36 Stunden die ersten Keimspitzen.

In diesem Zustand sollte das Keimfutter verfüttert werden.

 

 


Im Grunde genommen und immer unter Bezug auf deren Keimfähigkeit, eignen sich etliche Saaten zu Keimzwecken. Bei einer Mischung ist darauf zu achten, daß die unterschiedlichen Saaten mehr oder weniger im gleichen Schritt keimen.
Bei Mosaikkanarien ist darauf zu achten, daß Saaten mit hohen Carotinoidgehalt (z.B.Rübsen) nicht verwendet werden.
Ideal ist eine spezielle Keimfuttermischung für Mosaikkanarien – z.B. von Hungenberg.

 

Nachfolgende Saaten eignen sich sehr gut für Mosaikkanarien. Mit Ausnahme der Quinoa (aufgrund ihrer schnellen Keimzeit) können alle Saaten gemischt werden, wobei den höchsten Anteil die Negersaat ausmachen sollte.

Dari                 Japanhirse  Mungbohnen Mannahirse        Milo

Negersaat      Nackthafer      Platahirse  Senegalhirse Silberhirse

Weizen           Zichorie           Quinoa

Bilder: Copyright Olaf Hungenberg

Keimfuttermischung mit Negersaat, Silberhirse und Nackthafer.
In Kombination mit Weizen eine optimale Mischung in der Zuchtvorbereitung.

 

 

Luzerneklee eignet sich aufgrund seines hohen Carotinoidgehaltes nicht für die Verfütterung in der Nestlingszeit. Nach dem Absetzen ist er aber gekeimt – auch aufgrund seines hohen Vitamin-K-Gehaltes eine ideale Ergänzung. Achten Sie jedoch darauf, daß sie tatsächlich echten „Alfalfa“ Luzerneklee bekommen.