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Die Vererbung des Mosaikfaktors

Vorab sei festgestellt, daß ich über 6 Jahre die Bemühungen des Zuchtfreundes Hubert Ruhnau/Ratingen aktiv begleitet habe, der über achat-rot-mosaik den optischen Blaufaktor auf seine klassischen achat-rot übertragen wollte. In diesen 6 Jahren wurden in dieser Linie etwa 500 Jungtiere gezogen. Dies, sowie meine eigenen Erfahrungen bei der Verpaarung von Mosaiken mit Nicht-Mosaiken in der Pastell- und Eumoserie, erlaubt mir schon einen gewissen Überblick über das Verhalten des Mosaikfaktors, welche sich sehr genau mit den Erfahrungen anderer Züchter decken.

Grundsätzlich ist festzuhalten, daß der Mosaikfaktor in einer deutlichen Beziehung zum Intensitätsfaktor steht.  So ist aus der Verpaarung eines Mosaikhahnes mit einer Schimmelhenne die männliche Nachzucht Schimmel mit Fettfarbballungen und die weibliche Nachzucht  generell Mosaiktyp mit für einen Typ I. großflächigen und mit Schimmelbelag versehenen Mosaikarealen.  Dies schreibe ich deshalb, weil die für eine Zuchtlinie auf Typ II. nötigen Weibchen mit großflächigen Zonen diese intensiv ausgeprägt haben müssen bei dennoch verdrängter Fettfarbe außerhalb der Zonen, will man den optimalen Typ II. mit bestechenden und intensiven Arealen erhalten. 

Ganz gegensätzlich zu dieser Verpaarung eines Mosaikhahnes mit einer Schimmelhenne, erhält man in der Verpaarung eines Mosaikhahnes mit einer intensiven Henne, nur die Hälfte der Weibchen als Mosaiktypen, wogegen die andere Hälfte deutlich erkennbare intensive Weibchen sind und die Hähne wie zu erwarten je zur Hälfte schimmel und intensiv.

Diese Ergebnisse lassen vorerst den Schluss zu, daß der Mosaikfaktor geschlechtsgebunden vererbt, aber im Sichtbild nur in Erscheinung tritt wenn der Vogel gleichzeitig ein Schimmelvogel ist.

Dies sollte einen eigentlich nicht verwundern, da der Faktor „Intensiv“ ganz im Gegensatz zum Faktor „Schimmel“ eine sich bis zur Federspitze ausbreitende Fettfarbe begünstigt. 

In der umgekehrten Verpaarung – also eines Schimmelhahnes und einem Mosaikweibchen,  fallen zwar Weibchen die deutliche Fettfarbballungen durch erhöhten Schimmelbelag aufweisen, doch unterschieden sie sich von den Weibchen mit klaren Mosaiktyp der umgekehrten Verpaarung.  

Der genannte Zuchtfreund verpaarte nun im ersten Jahr einen Mosaikhahn abwechselnd an intensive und schimmel Weibchen, sowie zwei Mosaikweibchen an intensive und schimmel Hähne. Die Ergebnisse wurden zuvor genannt. Im nächsten Jahr verpaarte er beliebige junge Hähne mit deutlicher Präsenz an Fettfarbe an die jungen Weibchen aus der Verpaarung Nicht-Mosaik Hahn mal Mosaik-Henne, da nach dem Prinzip der geschlechstgebundenen Vererbung diese Weibchen trotz Schimmelballungen den Mosaikfaktor nicht tragen dürften. Aus diesen Verpaarungen fielen dann wie zu erwarten nur vereinzelt Weibchen als Mosaiken wogegen die anderen Weibchen intensiv und schimmel waren, wohl bemerkt daß generell intensiv x schimmel verpaart wurde. In der nächsten Generation wurden diese Tiere wieder untereinander gekreuzt, wobei die Mosaikweibchen nie zum Einsatz kamen und aussortiert wurden, ebenso wurden wieder einige dieser Tiere die den optischen Blaufaktor trugen an reine Achatvögel zurückgekreuzt.  In den erst genannten Verpaarungen fielen wieder einige Mosaikweibchen und auch wieder Mosaikhähne. Interessant war, daß die Mosaikhähne generell von intensiven Müttern stammten, die demzufolge genetisch Mosaiken waren. Abschließend sei gesagt, daß mit der gesamten Nachzucht von annähernd 500 nachgezogen Jungen, sich das Prinzip der geschlechtsgebundenen Vererbung bewahrheitete und durch entsprechende Selektion in den beiden letzten Generationen nur noch etwa 4 bis 5 Mosaikweibchen und 2 Mosaikhähne unter insgesamt 100 Jungtieren zu finden waren und alle anderen Jungtiere klar und deutlich nach schimmel und intensiv zu unterscheiden waren.   Auch hier stellte sich heraus, daß die Mosaikhähne generell aus intensiven Müttern stammten.

Halten wir also folgenden Punkte fest:

  • · Die Ergebnisse sprechen eindeutig gegen eine freie Vererbung und ganz im Gegensatz dazu deutlich für eine geschlechtsgebundene Vererbung.
  • · Mosaiken sind generell Schimmelvögel, sobald der Faktor „intensiv“ zum tragen kommt unterdrückt er die Mosaikausprägung.
  • · Das eigentliche Merkmal „Mosaik“ ist ein Erbe des Kapuzenzeisig, auch wenn es genetisch vom Kanarienerbgut mitgeprägt wird.
  • · Schimmelvögel mit deutlicher Fettfarbballung entstehen durch erhöhten Schimmelbelag, welcher die Fettfarbe von der Federspitze abdrängt.